Bekanntermaßen ist es nicht sinnvoll Bestellungen nüchtern aufzugeben. Zur Lösung dieses Problems wird vielfach geraten besoffen zu bestellen. Sehr prominent hierbei die Musikgruppe des Namens „Schneidetrupp“ die in ihrem Lied „(Ich gerade) gestorben in deinen Waffen heute Nacht“ sehr explizit davor warnen, dass man ausschließlich besoffen bestellen soll.
Prominentes Beispiel
Der genaue Textinhalt oben erwähnten Liedes lautet:
1 Oh. Ich. (Ich gerade) gestorben in deinen Waffen heute Nacht.
Schneidetrupp
Du musst besoffen bestellen.
Ich gerade gestorben in deinen Waffen heute Nacht.
I halte schauend für Etwasding Ich Arschloch1 bekommen.
5 Gebrochene Herzen lügen2 alle außenrum mich.
Und ich tuenicht sehen einen einfachen viel3 zum bekommen raus von diesem.
Ihr Tagebuch es sitzt von der Bettseite Tisch.
Die Vorhänge sind geschlossen, die Katzen in der Gabel.
Wer würdehaben gedacht das ein Junge gerne4 mich könnte kommen zu diesem?
10 [Wiederholung der Zeilen 1-3]
Es musshaben gewesen etwas nett5 von KISS.
Ich sollthaben gegangen weg.
Ich sollthaben gegangen weg.
[…]
Wir konzentrieren uns vorerst nur auf den ersten Teil des Liedes.6 Hierbei erzählt der Künstler schon zu Beginn, wie er letzte Nacht „in den Waffen“ seines Gegenübers, den er direkt per Du anspricht, gestorben sei. Sogleich fällt dem geübten Kenner auf, dass es doch gar nicht sein kann, dass er davon erzählt, dass er gestern gestorben sei, sonst könnte er das ja gar nicht mehr erzählen, weil er ja dann tot wäre. Logisch. Das bedeutet also, dass der Künstler die Geschichte aus Sicht eines Geistes erzählen muss. Sehr gewieft.
Er wartet auch nicht lange damit zu verraten, wieso er sterben musste und spricht gleich die Mahnung an den ahnungslosen Hörer aus: „Du musst besoffen bestellen!“. Daraus lässt sich schließen, dass sein Gegenüber anscheinend nüchtern eine Bestellung aufgegeben hatte und dies den Tod des Erzähler-Ichs zur Folge hatte, der deswegen seitdem dazu verdammt ist als Geist umherzuspuken. In Zeile 5 wird zudem angedeutet, dass es sich hierbei um eine physische Gefahr handelt, welche vor allem das sehr empfindliche Organ des Menschen das „Herz“ angreift und wortwörtlich „zerbrechen“ lässt.
Der Grund, weshalb er weiterhin als Geist vor Ort ist und nicht seine Ruhe finden kann, liegt offenbar darin, dass er ein bestimmtes Objekt sucht, welches er aber auch nicht näher als „Etwasding“ spezifiziert. Zugleich baut der Künstler ein moralisches Dilemma auf, indem er fragt, ob er das sobezeichnete „Etwasding“ denn überhaupt verdient habe, da er doch auch ein „Arschloch“ sei, so in Zeile 4. Die Problematik hierbei wird zusätzlich durch den Aspekt der Verleumdung verschärft, so zweifelt er in Zeile 5 an, ob die gebrochenen Herzen der Leute, die wohl mit ihm in dieser Tragödie sterben mussten, wirklich die Wahrheit sagen und bezichtigt diese des Lügens. Da er aber ein Arschloch ist, weiß der Leser natürlich selbst nicht, ob er die Wahrheit sagt. Ein genialer Plot-Twist der seinesgleichen sucht!
In Zeile 6 beschreibt er wie eingeschränkt seine Sicht ist, löst jedoch nicht auf, ob es metaphorisch zu verstehen ist insofern er nicht frühzeitig erkennen konnte, dass sein Gegenüber nüchtern bestellen wollte wodurch er die Tragödie hätte verhindern können, oder ob das Dasein als Geist grundsätzlich mit schlechten Augen verbunden ist. Wenn Sie mich persönlich fragen, plädiere ich für Letzteres, da Geister unsichtbar sind und wenn jegliches Licht das auf sie fällt einfach durch den Geist durchscheint, es natürlich auch unmöglich wird dieses Licht als Geist wahrzunehmen.
In furiosen Wortkonstellationen („von der Bettseite Tisch“) beschreibt der Künstler eine Situation, in der ein Tagebuch einer weiblichen Person, womit das Geschlecht der Verantwortlichen Person entblößt wird, neben dem Nachttisch sitzt. Das weist eindeutig darauf hin, dass die Verantwortliche eine Drogenjunkie war, niemand sonst würde glauben zu sehen, wie ein Buch neben einem Tisch „sitzt“. Das ist doch völlig Banane! Allgemein stellt sich die Frage was es mit dem Tagebuch auf sich hat. Könnte es sich hierbei um das angekündigte, ominöse „Etwasding“ handeln? Man weiß es nicht.
Die folgende Zeile sieht ihren Zweck darin zu verdeutlichen wie groß das Drogenproblem der Frau war. „Die Vorhänge sind geschlossen, die Katzen in der Gabel.“ Mit diesen völlig unverständlichen und wirren Ausdrücken wird nun endgültig klar, dass die Frau völlig verrückt gewesen sein muss, was auch erklären könnte wie sie überhaupt auf die Idee kam nüchtern zu bestellen, was zugleich einen völlig neuen Aspekt auf die Schuldfrage wirft. War der Ich-Erzähler etwa für die verrückte, nüchterne Frau zuständig und hätte auf sie aufpassen sollen, damit sie nichts dergleichen anstellt? Ist dieses Versagen womöglich auch der Grund, warum er sich als Arschloch sieht? Man erkennt, dass dadurch die Möglichkeit aufkommt, dass das gesuchte „Etwasding“-Objekt die Frau sein könnte. Hat das Arschloch etwa aus Eigensucht seine Verpflichtungen als Betreuer aus den Augen verloren?
Mit „Wer würdehaben gedacht das ein Junge gerne mich könnte kommen zu diesem?“ wird erneut die Verzweiflung durch die rhetorische Frage, wie man glauben könnte, dass er als Junge es mögen würde dazu ejakuliert zu haben, zum Ausdruck gebracht.
Offenbar gingen dem Künstler ab Zeile 11 die Ideen aus, da er hier nur noch beschrieb welche Musik im Hintergrund lief, nämlich etwas Nettes von der Hartsteinmusikgruppe KISS. Ein direkter Zusammenhang mit dem Drama ist zu bezweifeln, wahrscheinlich liegt dem ein obskurer Werbevertrag mit der Plattenindustrie zugrunde.
Zum Ende hin wird es objektiv betrachtet immer langweiliger, da wieder zum 37. Male die Schuldfrage in den Vordergrund gedrückt und damit dem Leser fast schon ins Gesicht gepresst wird. Er sagt nämlich, dass er hätte weggehen sollen. Wow. Wie innovativ…
Allein interessant ist, wie er sich selbst wieder als Arschloch darstellt, da es ihm nur wichtig war selbst wegzugehen, aber nicht daran dachte die nüchterne Bestellerin sowie alle anderen Opfer in der Nähe der Katastrophe ebenfalls darüber zu informieren, dass sie weggehen hätten sollen. Diese Empathielosigkeit zeugt schlussendlich nur davon, dass es besser war, dass er gestorben ist.
Zweite Überschrift
Eigentlich hatte ich noch andere Inhalte für diesen Artikel geplant, da der erste Teil jetzt aber schon so lang geworden ist, werde ich diese ein andermal niederschreiben.
- *Möglicherweise kam es hier zu Übersetzungsschwierigkeiten, weil unser Korrespondent Siegfried der sieglose Sieger kein englisch kann und daher jedes Wort einzeln mündlich mit dem Google Translator übersetzte und nicht wusste wie man „cunt/can’t“ in der Aussprache unterscheiden soll. ↩︎
- ebendieses: „lie/lie“ ↩︎
- ebendieses: „way/way ↩︎
- ebendieses: „like/like“ ↩︎
- ebendieses: „kind/kind“ ↩︎
- Haha verarscht! Den Rest machen wir gar nicht. ↩︎
Kann ich das „Etwasding“ bald in den Kops kaufen?